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Außer der Reihe:
Stand:
Okt. 2011
Anlaesslich
des Einzuges in das Berliner Parlament im Herbst 2011:
Piratenpartei -
nichts als kritische Liebhaber der Staatsgewalt
- eine kurze
Wuerdigung
In Berlin
zog erstmals eine sog. Piratenpartei im Herbst 2011
in ein deutsches Parla-
ment ein. Ganz im Gegensatz zu der etwas martialischen Bezeichnung war
die Reak- tion der etablierten Parteien eher zuvorkommend im
Vergleich zu den Anfangstagen der Gruenen, mit denen seinerzeit der
Untergang des deutschen Abendlandes heraufbeschworen wurde (nicht
politikfaehig etc.). Das an professionellen Politauftrit- ten gemessene
eher naive Erscheinungsbild wurde goutiert - wo die Piraten gleich
postwendend zurueckgaben, dass sie Besserung geloben wuerden.Aber auch
eine Be- reicherung der deutschen Parteienlandschaft wurde
festgestellt: man koenne von den harmlosen Aufmuepfigen noch was
lernen, die es v.a. mit dem digitalen Zeitalter haet- ten, wo
die Etablierten einiges "verschlafen" haetten.
Der Kern des politischen Programms der neuen Partei ist dagegen nicht
ohne - für den, der auf fundierte Kritik an diesem Gemeinwesen
Wert legt:
Die Programmatik der Piraten lebt von einer generellen
Zustimmung zu diesem scheiss Staat und seinen Kapitalismus
und der Unterwerfung der Leute darunter. Sie haben noch nicht einmal
wie die Gruenen in ihren Gruendungstagen ein falsches polit-
oekonomisches Weltbild,mit dem diese einst an den allgemein
eingesehenen politischen und wirtschaftlichen Notwendigkeiten des
bundesdeutschen Kapitalismus sich gerieben haben.
Die Piraten verbreiten das verharmlosende Ideal, dass der Staat noch
mehr dafuer tun muesse, das Vertrauen in den Herrschaftsapparat zu
rechtfertigen, damit die Leute wohl ganz ineins mit ihren Herrschern
sein koennen.
Das machen sie daran fest , dass Buergerrechte mehr geachtet
werden muessten und nicht unterhoehlt werden duerften, "Ueberwachungsstaat" sich nicht gehoere usw.
Damit unterschreiben sie , dass die Festlegung der Leute
auf oekonomische Ausnut- zung durch ein flaechendeckendes
Geschaeftswesen (altmodisch : Ausbeutung gen.)
und den Dienst am Staat(einschl. Kriegsdienst) nicht angegriffen
werden.Wer ein Zu- viel an Staatsüberwachung und die
Unterminierung von Rechten beklagt, dem ist die stinknormale
zivilisierte Indienstnahme des Volkes für die Vermehrung
kapitalistischen Reichtums und die imperialistischen Großtaten
ihres Gemeinwesens globusweit kein Problem. Buergerrechte sind realiter
genau dafür da: für lebenslange Ueberwachung der Leute von
der Wiege bis zu Bahre,sich als oekonomische und nationale Ressource
für kapitalistische Reichtumsvermehrung und die
Großmannssucht der Staaten herzu- geben.
Piraten werden erst dann kritisch , wenn diese Ueberwachungs- und Unterwerfungs- techniken der oeffentlichen Gewalt unverhaeltnismaeßig waeren und damit Vertrau-
en und Zustimmung zu Herrschern und Ausbeutern darunter leiden wuerden.
Eine soziale Ader haben sie auch noch: für kostenlosen
oeffentlichen Nahverkehr für die sozial Schwachen wollen sie sich
engagieren, den natuerlich die Besserverdiener finanzieren muessen. Als
ob sich die Not der Leute darin erschoepft, dass sie ihre Fahrscheine
nicht bezahlen koennen. Von der viel prinzipielleren und umfassenderen
Not der Leute, auf Lohnarbeit für fremden Reichtum und den
Geldreichtum wie Macht ihres Staates verpflichtet zu sein - davon haben
Piraten keinen blassen Schimmer Ahnung und wollen gar nichts davon zur
Kenntnis nehmen, wie jede Sorte und jede Form von Armut und Elend mit
dem Lohnarbeiterdasein steht und faellt.
N a c h t r a g:
Meldung v. 05.10.2011:
Piratendatei verstehe sich als sozial-liberale Buergerrechtspartei.
Ihre Ziele seien u.a.: mehr Transparenz der politischen Entschei-
dungen, mehr Buergerbeteiligung.
Das ist doch mal ein klares Wort zu ihrem Selbstverstaendnis: nichts
wirklich Staat- oder Systemkritisches wollen diese Parteijünger
vertreten; ein bisschen besseres Sozialdemokratisches, ein bisschen
besseres Freiheitlich-Liberales wollen sie in die po- litische
Landschaft stellen. Soziales und liberales Korrektiv zu den etablierten
Parteien - das hat gerade noch gefehlt, ohne wie die Linke die Altlast
eines einst feindlichen Systems mit sich herumzuschleppen, die die
herrschenden Parteien ihr auferlegt, oder die Betonung auf die
Vertretung der Interessen sozial und wirtschaftlich Gebeutelter zu
legen oder zu jeder außenpolitischen
Maßnahme einen alternativen volksfreundli- chen Nationalismus zu
praesentieren.
Das mit der Transparenz ist der Aberwitz , als Entscheidendes an der
amtlichen Politik nicht ihren materiellen Kern ausfindig zu machen,
sondern dass alles en detail offenge-
legt wird. Gemauschele der Politiker, Geheimabsprachen etc. seien das Kritikwuerdige.
Als ob sich aus den politischen Maßnahmen und Gesetzesinhalten
nicht einiges an Schluessen auf Zwecke und Absichten derselben ziehen
ließe, was Piraten absolut nicht interessiert, waere das
eigentlich Interessante, ob nicht irgendwo irgendwelche Raenke
geschmiedet werden.
Das mit der Buergerbeteiligung ist nicht weniger zum Kotzen :
statt sich mal Rechen- schaft darueber abzulegen, was fuer ein
Staatswesen den Leuten vorsteht, das diese auf nichts als Pflichten auf
Geld- und Machtvermehrung fuer fremde Rechnung festlegt, sollen sich
diese auch noch begeistert fuer einen gesellschaftlichen Laden
selbsttaetig einsetzen, der ihnen wenig bekommt.
©
2012 by
Projekt
Kritische Sozialstaatsanalyse
www.sozialreformen.org
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