Außer der Reihe:
Stand:
März 2011
Krieg
gegen Libyen:
Ein
menschelnder Imperialismus schlägt zu
Da
gibt es einen Aufstand von Volksteilen in
Libyen, der ausgänglich Un- zufriedenheit
mit den sozialen und
ökonomischen Lebensumständen in
diesem arab. Land zur Grundlage gehabt haben mag. Der
Regent Gaddafi
nimmt dies, wie es jeder Staat - auch in den famosen
demokratischen Metropolen Europa oder USA - so halten würde,
als Feindschaftserklärung gegen die legitime Herrschaft
und fährt dagegen seine Gewaltmittel auf. Die sog.
Aufständischen wehren sich
dagegen zunächst mit kleineren
Gerät-
schaften, sodann mit erbeuteten veritablen Waffen, die gegen Panzer,
Bombenflieger und Militärhubschrauber zwar wenig ausrichten
können, aber gleichwohl "befreite Gebiete" vermelden. Bürgerkriegsähnliche Zustände reißen ein.
Wie in jeder internationalen Staatsaffäre stehen die selbsternannten Weltaufsichts-
machte USA und Europa nicht abseits, ist Arabien doch schon immer, und seit Nieder-
gang des gegenerischen Weltblocks Realer Sozialismus erst recht, als exklusives Einflußgebiet des Westens beansprucht.
Und es kommt dem Einmischungsinteresse des Westens
als historische Fügung entgegen, dass er seinem
Imperialismus ein besonderes, höchst
menschliches Mäntelchen umhängen kann. Sonst trägt der
Westen schon mal handfeste Ordnungsinteressen vor, weshalb er gegen
einen Staat vorgeht. Im Falle Irak war es dessen Einmarsch in Kuwait
und "unerlaubter" Waffenbesitz, im Falle Iran und Nordko- rea deren
Atomwaffenambitionen, die diese Nationen aus Sicht der Weltmächte
untragbar machten - wiewohl auch hier Ideologisches Pate stand, dass es
gar nicht um den Nachweis tatsächlicher Verfügung über
Massenvernichtungswaffen, die A-Bombe oder atomwaffentaugliches
Material ging bzw. geht, sondern die bloße Mög- lichkeit
dessen der Aufhänger dafür war, die
souveräne Existenz solcher "Schurken"- Staaten anzugreifen,
weil sie die Lizenz zur Machtausübung nicht i. S. des Westens
betätigten bzw. betätigen.
In Sachen Libyen setzen die führenden Imperialisten unter Berufung
auf Moraltitel höchsten Kalibers die größte
Gewaltmaschinerie aller Zeiten in Bewegung; wegen des Schutzes
der
Aufständischen würde Libyen mit westlichen
Bomben und Marschflug-
körper bedacht. Diese Selbstlosigkeit, mit der die westlichen
Kriegsherren über G. herfallen, mag glauben, wer will; es ist die
Fassade, hinter der gewaltträchtige Anlie- gen lugen, wie
man sie nur von imperialistischen Ordnungspolitikern her kennt: das zy-
nische Gemeinmachen mit den Opfern G., die sich inzwischen wie eine
Kriegspartei gerieren, ist die Methode, Gaddafis herrschaftliches
Walten über sein Territorium prin- zipiell streitig zu machen -
eben mit Sicherheit nicht, weil sie die oppositionellen Anlässe
und Ziele der libyschen Volksbewegung teilen würden.
Der moral. Berufungstitel erhält dadurch eine exquisite Glaubwürdigkeit, weil die Auf-
rührer selber den Bombenkrieg von USA und Europa als Schlag der
Befreiung von Gaddafi begrüßen - und der Westen so tun kann,
als wäre ihr Krieg gegen Gaddafi wie
ein von "unschuldigen Opfern" bestellter Feldzug.
Da möchte man den Aufständlern doch einmal zu bedenken geben,
dass sie offenbar nicht unterscheiden wollen zwischen ihren
Gründen der Unzufriedenheit mit der gadda-
fischen Regentschaft und denjenigen imperialistischer Kriegsherren. Wollen sie sich so
zum nützlichen Idioten der letzteren machen, dass sie deren
Einstufung von Gaddafi als weltpolitischer Störenfried
hinsichtlich des unumschränkten Schaltens und Waltens
zu politischem und ökonomischem Nutzen kapitalistischer Weltmächte als günstige Be-
dingung für die Durchsetzung ihres Anliegens ansehen?! Wenn auch nur eine Spur von
materiellen Nöten die Protestler auf die Straße gebracht
haben sollte:wäre es nicht ein verheerender Widerspruch dazu, die
kriegsmäßge Zerstörung von Land und Leuten durch die
Imperialisten als taugliches Mittel geradezu euphorisch zu
begrüßen?! Und ein blöder Witz der
Militärgeschichte ist es, es würde fein säuberlich
unterschieden zwischen feindlichen Kriegsobjekten Gaddafis und der
Zivilbevölkerung, wenn die Imperialisten ihre ach so zielgenauen
Bomben und Raketen losschicken.
Es drängt sich schon der Verdacht auf, dass letztlich doch wieder
ein irgendwie national gefärbter Aufruhr
unterwegs ist - und der kennt wie sein mächtiges staatli-
ches Pendant allerlei Aufopferungsbereitschaft bzw. Opferproduktion zu
seiner Durchsetzung. Bloß auch diesbezüglich sollte man sich
nicht einbilden, dass die wuchtigste Miltärmascherie aller Zeiten
dazu da ist, dem Interesse an einem besseren Gemeinwesen zu seinem
Glück zu verhelfen.
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Projekt
Kritische Sozialstaatsanalyse
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