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Hartz-Reform
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Aktuelles 9 Stand: Herbst/Winter '08/'09
Die
letzten Hiobsbotschaften vom Volksverarmungsprogramm:
Hartz
IV-Aufstocker "im Aufwind"
Diejenigen, die von ihrem Lohn nicht leben können, nehmen unter heftiger Mitwirkung des Staates kräftig zu.
Seit
Hartz IV macht es der Staat den Einkommenslosen zur unerbittlichen
Pflicht, jedem noch so schäbigen Broterwerb nachzugehen - das
Verbot der "Sittenwidrigkeit" lässt da einiges zu. Das haben sich
findige Arbeitskraftausnutzer mit dem ehrenwerten Beruf des Unternehmers
längst zunutze gemacht und nutzen die auf Verdienstquellen
Angewiesenen dahingehend aus, dass sie zunehmend zu Bedingungen
angestellt werden, die den Mensch nicht ernähren. Aber es gibt ja
die Figur des "Aufstockers", der sich die Differenz zum staatlich
definierten Existenzminimum namens Arbeitslosengeld II abholen kann -
schon ist von Armut nicht mehr die Rede, weil HArtz IV und ALG II davon
zeugten, dass der Staat Garant eines Existenzgeldes sei, mit dem man
irgendwie über die Runden kommen könne, weil man es muss.
Dass man mit 351 EUR ein erbärmliches Dasein fristen muss, gilt
als staatliche Gnade. Kein Skandal ist es ebenso, dass Arbeit, von der
man nicht existieren kann, inzwischen als anerkannte Einkommensquelle
zählt - und sich so der Staat als Diener am Interesse von
Kapitaleignern an billigster Arbeitskraft hervortut.
Für Freunde nackter Zahlen:
Die
Zahl der Aufstocker mit Monatseinkommen von 800 EUR stieg von Jan. bis
Juli 2008 von 369.597 auf 384.467, diejenigen mit Bruttoverdienst
zwischen 400 und 800 Euro um 12.000 auf 243.550 (Quelle:
Südd. Zeitung v. 4.12.08, S. 7).
Wen es interessiert,
kann Weiteres zu Grund und Zweck sowie den Verlaufsformen des
staatlichen Verarmungsprogramms in diversen früheren Artikeln
nachlesen unter:
N a c h t r a g
Ideologien
zur Hartz-Reform
Kritische
Stimmen stehen nicht an, einen korrekten Schluss von der
ökonomischen Spezialität des Niedriglohnunwesens auf eine
generelle Kritik kapitalistischer Lohnarbeit zu ziehen. Ihre
vorgefertigten Denkmuster führen schnurstracks zu einer
systemtreuen Krittelei.
Wer angesichts von Niedriglohnsektor
und Lohndumping "Lohngerechtigkeit" anmahnt, der hält große
Stücke darauf, was als zivilisierte Form der Lohnarbeit
daherkommt: Niedriglöhner schafften die gleiche Leistung, also
müßte Ihnen wie den Normalverdienern auch deren Bezahlung
zustehen. Und was ist, wenn sowohl bei dem Niedriglohn also auch bei
dem Normallohn das gleiche kapitalistische Prinzip gilt,
demzufolge der Gewinn, den der eine wie der andere erschafft, der
Maßstab ist, woran sich entscheidet, was der eine oder bezahlt
kriegt? Die Feststellung der besonderen Sorte Ausnutzung der
Arbeitskraft im Niedriglohnsektor schließt die Kritik an der
Lohnarbeit des Normalos ein, der nämlich sein Entgelt genauso als
Preis für die Erarbeitung von Geldüberschüssen für
den Unternehmer erhält. Die Praktizierung der Lohnunterschiede
ist keine rechtsmoralische Angelegenheit, sondern eine ökonomische
Unterscheidung hinsichtlich der "Wertigkeit" des jeweiligen
Arbeitskrafteinsatzes für den Profit des Unternehmers. Es stellt
im übrigen keine marktwirtschaftliche Ausnahme dar, sondern ist
gängige unternehmerische Praxis, Extra-Profit per
Lohndrückerei einzustreichen. - Die Einforderung von Lohn für
gleiche Leistung will nichts wissen von einer Kritik am System kapitalistischer Ausbeutung - kann von letzterer etwa keine Rede mehr sein, wenn der Niedriglohnempfänger auf Normallohn gehievt wird?
Nicht
weniger anti-kritisch verhält es sich, wenn der bürgerliche
Sachverstand einen angeblichen "volkswirtschaftlichen Schaden" des
Lohndumpings geißelt: über die Förderung des
Niedriglohnsektors würden die "soliden" Kapitalisten durch die
Lohnunterbietung nicht nur in der Konkurrenz benachteiligt, sondern
müssten auch mit ihren Steuern die Aufstockung des
Niedriglohns auf Arbeitslosengeldniveau subventionieren. Die Beklagung
eines gesamtwirtschaftlichen Schadens ist weit entfernt davon,
den Schaden für die abhängige Lohnarbeitermannschaft aufs
Korn zu nehmen. Und mal ernstgenommen: welcher gesamtwirtschaftliche
Schaden sollte denn hier realiter eintreten? Der Staat will mit
Einrichtung und Ausbau des Niedriglohnbereichs auf einen generellen
Angriff aufs nationale Lohnniveau hinaus. Wofür wohl? Na, für
den Aufschwung des nationalen Geschäftswesens, nicht zuletzt in
der weltweiten Konkurrengeierei. Und das soll dem wirtschaftlichen
Gemeinwesen abträglich sein? Da lachen ja die Hühner.
Quellenbezug: Weser-Kurier v. 5.12.08; Kommentar, S. 2
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