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Hartz-Reform
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Aktuelles 5
Erfolgsbilanz von Hartz IV - am Beispiel der Arbeitslosengeld I - Debatte
Herbst 2007
"Der Erfolg
von Hartz IV darf nicht zunichte gemacht werden"
- tönt es angesichts
einer Debatte über die Verlängerung der Bezugsdauer
bei Arbeitslosengeld I.
Also: alles, was den Anschein
einer materiellen Besserstellung, und sei diese auch noch so
bescheiden, erweckt, ist Hartz IV -schädlich und
gehört sich nicht.
Welcher Erfolg wird da wohl gefeiert?
Dass viele ALG I - Empfänger angesichts des Abrutschens ins
Hartz IV - Elend nach wenigen Monaten sich zu den niedersten und
billigsten Jobs hinreißen lassen, um diesem Elend zu entgehen
- wobei denen der Widerspruch wohl kaum auffällt, dass der
Status eines Niedriglöhners nicht weit entfernt von Hartz - IV
- Verarmung ist. Dies wird als großartiger Erfolg in Sachen
Abbau der Arbeitslosigkeit bilanziert. Und wenn ein Arbeitsminister
Müntefering gegen längeres ALG I wettert, dass er
mehr dafür sei, die Arbeitslosen in Arbeit zu bringen, statt
dass sie noch ein paar Monate länger "passiv" vor sich hin
werkeln (so in den Tagesthemen der ARD am 16.10.07), dann ist dies
nicht nur die Frechheit, den Verlust von Lohn und Brot durch die
Wirtschaftsmächtigen in Nichtstun zu übersetzen; es
ist die Bestätigung des Prinzips von Hartz, dass Lohn-Arbeiten
erste nationale Dienstpflicht zu sein hat; dem Staat so egal wie nur
was ist, warum die Leute auf ein Überlebensgeld
angewiesen gemacht werden, wenn das kapitalistische
Geschäftsleben sie als unrentierlich ausspuckt.
Der Zynismus der anderen Seite kann sich ebenso sehen lassen:
längeres ALG I als Anerkennung der Lebensleistung derjenigen,
die 30 oder 40 Jahre lang in die Staatskassen eingezahlt haben; also
das gemeine Lob, sich ein halbes Leben oder länger
für Wirtschaft und Nation krummgelegt zu haben.
Davon hat dann jemand was, wenn der statt nach 12 in 15 oder 18 Monaten
in Hartz IV abgedrängt wird. - Und eine
"Gerechtigkeitslücke" wäre geschlossen, wenn die, die
nur 1 oder 2 Jahre in Lohn und Brot standen,
selbstverständlich nicht genauso lange ALG I gewährt
kriegen: als ob die deswegen verzichten könnten.
Es ist bezeichnend für die Geisteslage der Nation anno 2007:
Da
beschließt eine SPD, angesichts der mit Hartz IV ergangenen und
fortwährenden neuen sozialpolitischen Zumutungen, man müsse dem
kreuzbraven Volk nicht zuletzt als wahlpolitische Schöpfquelle eine
mehr ideelle Zuerkennung zollen, ein Parteitag bestätigt mit dem Gebot
des "vorsorgenden Sozialstaats" den Grundsatz der neuen Sozialpolitik,
den Leuten als ihr Privatproblem aufzuhalsen, wie sie bei
Arbeitslosigkeit, Krankheit und Abschieben aufs Altenteil zurechtkommen
- und schon hebt eine Übertreibung nach der anderen an: die SPD
"rutsche nach links", wolle bei Hartz IV "zurückrudern", sei sogar auf
dem Weg zum "Steinzeitkommunismus", der nun wirklich ausgedient habe.
Was will uns diese Sorte Kritiker mitteilen. Na dies:
Sozialstaat
heute ist die totale Rücksichtslosigkeit gegen die Opfer der
Marktwirtschaft. Absoluten Vorrang hat der Fortschritt von Wirtschaft
und Nation auf Kosten der Abhängigen!!!!
Und dann
Mitte November 2007
dieses:
Regierungskoalition einigt sich auf Verlängerung der Bezugsdauer von ALG I (Arbeitslosengeld I).
Nach
hitzigen Gefechten, ob 3- oder 6-monatige Verlängerung der Bezugsdauer
bei ALG I gleich Sinn und Zweck von Hartz IV - Sauereien aushebeln
würden, haben sie sich doch tatsächlich u.a. darauf geeinigt, dass
50-Jährige 15 Monate und 55-Jährige sogar 24 Monate ALG I beziehen
können - also die Leut nun 3 bzw. 6 Monate mehr vom Absturz ins Hartz
IV - Elend trennen. Welch ein famoser Sieg für die Betroffenen! Auch in
dieser Hinsicht stellt der Staat klar, dass hier keine sozialen
Geschenke zu vergeben sind: haushaltsneutral muss die längere
Bezugsdauer bei ALG I schon sein, indem anderen Arbeitslosengruppen
eins reingewürgt wird: jüngere Erwerbslose müssen
längere
Anwartschaftszeiten aufweisen, um überhaupt in den Genuss von ALG
I zu
gelangen. Werden sie eher erwerbslos, droht gleich und unmittelbar
Hartz IV - Verelendung. - Und an dem Hauptzynismus von Hartz werden
sowieso keinerlei Abstriche gemacht: Werden die Leute von den
Verursachern Ihres Elends auf die Straße gesetzt, macht der Staat die Opfer verantwortlich.
Sie haben unter Anwendung allerlei amtlicher Schikanen ein
Spießrutenlaufen zu veranstalten und unter Beweis zu stellen,
dass sie wollen und alles dafür unternehmen, ohne Rücksicht
auf Ihre Notwendigkeiten nach Arbeit um jeden Preis Ausschau zu halten.
Wichtiger als diese neuen sozialen
Wohltaten, wovon sich kein Arbeitsloser was kaufen kann, war für die
Öffentlichkeit natürlich der Abschied des Arbeitsministers Müntefering
von der Bürde seines Amtes, die er sich nicht leicht gemacht haben
soll. Der Nachfolger soll ein gewisser Scholz werden: ein getreuer
Diener und Gefolgsmann des ehemaligen SPD-Kanzlers Schröder und seiner
Agenda 2010. Da werden die Erwerbslosen demnächst wohl erst recht
kräftig was zu lachen haben, wenn die unter dessen arbeitsmarkt- und
sozialpolitische Fuchtel geraten!!!
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Kritische Sozialstaatsanalyse
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