Hartz-Reform
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Aktuelles 16 Stand: Aug. 2011
N e u e r
A r b e i t s m a r k t b e r i c h t 2011
"Fachkraeftemangel"
einerseits, Heuern und Feuern nach Bedarf des Hauses andererseits
- wie
passt das zusammen?
1.
Konstatieren von "Arbeitskraeftemangel" entspringt Sichtweise nationalökonomischer
Art. Diese meint die Verfügbarkeit von Arbeitsleuten gemaeß
dem Geschaeftsinteresse von Unternehmen, um Arbeitskraefte also
für es auszunutzen. Diese Redeweise unter- stellt als
Selbstverstaendlichkeit, was harte Realität für
Arbeitskraftbesitzer ist: Bar jeglicher eigener Mittel des
Produzierens,die sich nämlich als verwertbares Vermögen
(Kapital!) bei Unternehmern befinden, sind erstere allseitig erpressbar
zu jeder Sorte Arbeit und Bezahlung - oder werden gar nicht erst
für den Gewinn gebraucht.
Weil es bei dieser Sicht ohnehin ausschließlich um das gegensaetzliche Unternehmens-
interesse geht,könnte diese Optik jedenfalls dem "kleinen Mann" so was von egal sein.
Was es allerdings für ihn bedeutet, als Verwertungsmittel zu
fungieren, hart und ergiebig arbeiten zu müssen zu
möglichst wenig Lohn - und wieder aus dem Verwert- tungsprozess
ausgespuckt zu werden oder gar erst zu diesem zugelassen zu sein
- dies einfach wegzustecken, das kann er sich eigentlich nicht leisten, wenn er auf sein materielles Interesse was haelt.
2.
Die Arbeitsmarktexperten gehen mit der Luege hausieren, es ginge um einen absoluten
Mangel hinsichtlich Qualifikation und Anzahl der
benötigten Arbeitskraefte. Wie ver- traegt sich das damit, dass zugleich innerhalb kuerzester Zeit Hunderttausende ent-
lassen oder wegen
"kurzatmiger" Profitinteressen der Firmen zwischen den Stellen hin und
her fluktuieren - und Tausende mit qualifiziertem
Abschluss auf der Straße ste- hen? - Realiter schafft sich das
Kapital selbst den Kraeftenachschub, den es braucht, ja gemessen
am arbeitskostensparenden Interesse der Unternehmer sogar
einen reichlichen Ueberschuss an geschaeftlich nicht gebrauchten
Kraeften; der allerdings immer noch gut genug als Konkurrenzdruckmittel
gegen die Gebrauchten! - Es geht also um ein
anspruchsvolleres Interesse der Kapitalseite an
jederzeitiger, flexibler Verfuegbarkeit und
v.a. hinsichtlich des Preises der Arbeitskraft, als das alberne Bild von zuwenig ausnutzbaren Arbeitskraeften suggeriert.
Aber auch was diesen viel grundsaetzlicheren Anspruch der Unternehmer
betrifft, der unter dem Signum der "Flexibilitaet", "Mobilitaet" und
insbes. Billigkeit der Bezahlung firmiert, ist es ganz der
unternehmerischen Souveraenitaet anheimgestellt, sich dies selbst
herzustellen: der Ueberschuss an fuer den Profit nicht mehr Brauchbare
erzeugt wie von selbst per Konkurrenzdruck bei den noch
interessanten Arbeitsleuten die all- faellige Bereitschaft, sich den
radikalen Erwartungen der Profitgeier unterzuordnen und gemaeß zu
machen.
Aber selbst in dem Fall, wo die laufenden Rationalisierungen und
"Innovationen" der Damen und Herren Unternehmer und die damit
einhergehende Einfuehrung neuer Anla-
gen, Produktionsverfahren etc. modifizierte oder erweiterte
Kenntnisse/Erfahrungen noetig machen, ist es die "Wirtschaft" in ihrem
unersaettlichen Drang nach Gewinn, die diese Lage so hervorruft - und
sich dann dazu so stellt, als liege hier ein von ihr unabhaengiger,
getrennt von ihren Geldvermehrungsstrategien vorfindlicher "Mangel"
vor. Soll sie den doch hoechstselbst beheben und die Leute entsprechend
den neuen Erfordernissen einweisen!
A-ha! Das Gejammere zielt darauf , dass andere, wohl vornehmlich
der Staat mit sei- nen Bildungseinrichtungen immer kostenentlastend die
Kraefte liefert, die sie braucht.
- wo der doch schon immer mit seinen Bildungs- und Ausbildungsprognosen
auf der Hut ist, das kuenftige Arbeitsmaterial dorthin zu lenken oder
so aufzuziehen, wie die vielfaeltigen und sich stets aendernden
Beruftsprofile es vorgeben...
3.
Im neuen Arbeitsmarktbericht wird konsequent das vorgeführt, was
die Politik dem Kapital an neuen ausgiebigeren Freiheiten schon seit
Jahren eingeraeumt hat:
"kurzatmige Personalpolitik" ist die blumige, beschoenigende
Kennzeichnung dafuer, dass je nach aktuellem Geschaeftsgang die Leute
kurzfristig geheuert und gefeuert werden - und die Arbeitsmenschen
zusehen können, wie sie ihre Existenz als vollflexi- bles Arbeitsmaterial fristen können.
4.
Es wird die Luege aufgetischt, Qualifikation sei ein Mittel der
"Chancenwahrnehmung" auf dem Arbeitsmarkt. Ausbildung ist eine
Bedingung dafuer, dass ein Ausbeuter einen interessant finden koennte.
Eine Garantie für irgendwas ist sie schon gar nicht. Und unter dem
Titel "Chance auf dem Arbeitsmarkt" wird eine Verharmlosung lanciert:
für die Bewerber um Arbeitsstellen heißt dies staendige
Anstrengung, im Vergleich zu Mitkonkurrenten den Wettbewerbsvorsprung
zu wahren oder auszubauen - und dies kommt als Brutalität dazu: ohne es je in der Hand zu haben,
ob das Dauerprogramm "Investition" in Qualifikation oder allgemein
Begehrlichkeit als potentiell ausnutzbare Ware Arbeitskraft je zum
Erfolg fuehrt. Denn ob jemand wofür gebraucht wird, liegt allein
an der souveränen Entscheidung der Ausbeuter am Maßstab
geschaeftsmaeßiger Verwertbarkeit, wen sie für geeignet
halten.
Quelle: Weser-Kurier v. 2. Aug. 2011, S. 2