Hartz-Reform
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Aktuelles 1
Stand:
April/Mai 2006
Sonder-/Zusatzgesetz
25-Jährige, Sozialdetektive,
“Optimierungsgesetz”,
Niedriglohnsektor, “Mitnahmeeffekt”,
“Abstandsgebot”
Nachdem
die
Politik statistisch
ermittelt hat, dass Ausgaben in Sachen Arbeitslosengeld II (Alg II)
erheblich höher als veranschlagt sich summiert
hätten,
wäre etwas schief gelaufen angesichts der mit Hartz IV
verfolgten
Absicht, Sozialaufwendungen für
Ausgemusterte/Langzeitarbeitslose
signifikant runterzufahren.
Es
ist dies
natürlich kein
Indiz für die politisch Verantwortlichen, wie sie und ihre
Wirtschaft die Verelendung der Leute inzwischen vorangetrieben haben,
darauf, wie viele auf Alg-Almosen angewiesen gemacht worden sind, weil
sie entweder mit Erwerbsarbeit zu wenig oder gar nichts verdienen.
Sozialausgaben für die Durchfütterung armer Leut
geziemen
sich einfach nicht; wer in Not gerät, habe eigentlich kein
Geld
verdient, wenn er sonst nichts mit redlicher Arbeit verdient. Eine
knallharte Drohung gegen arme Schweine darf man dies nicht nennen.
Wenn
Jugendliche
aus sog.
Bedarfsgemeinschaften ausziehen und über Bezug eigener 4
Wände die trostlose Kalkulation anstellen, ein paar Euro mehr
Regelsatz als nunmehr eigener Haushaltsvorstand in die Tasche zu
kriegen, so nutzen sie das kodifizierte Recht im SGB, das ihnen nach
offizieller Schmarotzer-Lesart eigentlich nicht zustehen
würde,
weil es dem Gebot der Sozialausgabenreduzierung im Wege steht. Also
wird ein Zusatzgesetz
für Jugendliche unter 25 Jahren fabriziert, nach
dem diese sich nicht so ohne weiteres aus elterlicher Obhut
herausbegeben dürfen.
Dass
nicht etwa
die pure Not
die Menschen in die Fänge von Hartz IV treibt, sondern
groß angelegter Missbrauch vorliegen muss, dem wird zudem
dadurch
ein Riegel vorgeschoben, dass ein Verfahren zur Ausspionierung von Alg
II-Haushalten durch sog. Sozialdetektive
und sogar europaweiter Ausbau des Datenabgleichs vorgesehen ist. Auf
dass diese fündig werden, noch irgendwas Verwertbares
über
das staatlich konzessionierte armselige Hab und Gut hinaus
aufzuspüren geht, was sich gegen Alg-Almosen kostensparend
für das Gemeinwesen aufrechnen lässt; bzw.
verstecktes
Vermögen/Konten grenzübergreifend aufgedeckt wird.
Oder
bewusst oder aus Unkenntnis verschwiegenes anrechenbares Einkommen aus
privaten Lebenszusammenhängen zu entdecken geht,
nämlich aus
administrativ behaupteten Wirtschafts-/Lebensgemeinschaften, bei denen
sich lässig hinkonstruieren lässt, dass irgendwer
anderes dem
Alg-II-er Zuwendungen" steckt. Wo sog. Zweck-WGs nur
vorgetäuscht
werden, aber die jetzt flächendeckend eingesetzten
Sozialschnüffler eheähnliche Gemeinschaften
behaupten, wobei
den Betreffenden die Last des Beweises des Gegenteils obliegt, hat der
geldverdienende Teil der Gemeinschaft für den
Hilfsbedürftigen aufzukommen.
Weiter
ausbaufähig wegen
der hoheitlich indizierten unerträglichen Inanspruchnahme von
Sozialgeldern sind neue Formen des "working poor": ein Niedriglohnsektor,
wo die Bezahlung noch unterhalb des Alg-Niveaus liegt, auf die der
Staat einen Zuschuss bis um die Höhe des Alg-Satzes
draufsatteln
will. Ein wahrhaftiger Anreiz zum Arbeiten auf Elendslevel! Dies
erklärt der Staat damit höchstamtlich zu einer
anerkannten
Erwerbsquelle: einer solchen, bei der jeder Bezug zur
Lebensreproduktion eines durchschnittlichen Lohn- und
Gehaltsabhängigen gestrichen ist - bzw.: das ist ein neuer
Maßstab, nachdem die Leute ihr Dasein mittels Arbeit zu
fristen
haben.
Im
übrigen machen sich Niedriglohnsektoren längst
überall
breit:
Mini-/Teilzeitjobs, von denen kein Mensch existieren kann, werden
zunehmend von Firmen als lohnkostensenkendes Instrument, auch und
gerade in Ersetzung von Normaljobs, eingesetzt. Mini- und
Teilzeitjobber sind darauf angewiesen, sich eine "Aufstockung" bis zur
offiziellen Armutsgrenze namens Alg II abzuholen, weil ihre
Verdienstquelle noch nicht einmal diese hergibt. Nebenbei kommt
angesichts der Klagen über überdimensionierte
Sozialkosten
raus, dass
ein nicht unerheblicher Teil davon auf wegen der miesen Bezahlung
erzwungenen Rückgriffs auf Hartz IV-Aufstockung
zurückgeht. -
Da haben
sie endlich die gewollte Förderung von Arbeit um jeden Preis;
und
welch
eine Debatte hebt daraufhin an? Eine ineffektive Lohnsubventionierung,
Subventionierung "aus der Gießkanne" liege hier vor - so die
öffentliche Erinnerung der Politik an ihre eigenen
Maßstäbe, dass Geld
für Soziales reine Geldverschwendung wäre. Und es
kommt noch
schöner
mit der Gehässigkeit gegenüber den modernen
arbeitenden
Paupers: der
Staat schmeißt normalentlohnte Beschäftigte in
irgendeiner
Dienstfunktion für ihn raus, um seinen Etat zu entlasten - und
setzt
stattdessen diese Billiglöhner ein, worüber der
bezweckte
Einspareffekt
konterkariert würde, insofern der staatliche Dienstherr in
seiner
Eigenschaft als Hartz-IV-Behörde den Billigarbeitern
Lohnzuschüsse gewähren muss, damit sie
überhaupt
überleben können. Man fragt sich nun, angesichts
ihrer ganzen
Parteilichkeit für die neue Sozialstaatsdoktrin: soll diese
Beschwerde über das Subventionsunwesen ein Aufruf sein, den
Mini-
und Teilzeitjobbern die Aufstockung auf das Alg II-Niveau zu streichen
- und das auch noch im Namen der vielen Langzeitarbeitlosen,
für
die der Niedriglohnsektor als ganz eigener reserviert werden soll?
Dieser Zynismus rührt her von der interessierten Scheidung
sog.
arbeitsmarktpolitischer Effekte in sich nicht geziemenden
"Mitnahmeeffekt" bzgl. staatlicher Arbeitsförderung und der
Schaffung echter Plätze für Kombilöhner.
Danach
fällt für die kritischen Geister in den Medien alles
zur
Zufriedenheit aus, wenn die Mittel der Arbeitsförderung
garantiert
in den extra für Langzeitarbeitslose zu implementierenden
Niedriglohnsektor fließen, und weder diese und erst recht
nicht
die Mini- und Teilzeitarbeiter von dem Pauperlohn leben
können.
Und wenn nun Mini und Teilzeitjobber im großen Stile
entlassen
werden und sich in der Schlange der Langzeitarbeitslosen einreihen
dürfen. Geht dann auch deren Subventionierung in Ordnung, weil
sie
doch jetzt als Langzeitarbeitslose in den Niedriglohnsektor
hineingefördert werden können? Dann handelt sich wohl
wieder
um einen trickreichen Mitnahmeeffekt,
der sich nicht gehöre. Über solche erhabene Sorgen
verblassen
vollständig diejenigen, die Wirtschaft und Nation den
arbeitenden
Armen jeglicher Couleur bereiten!
Und
sogleich entdeckt der Staat neuen Handlungsbedarf: wegen des "Abstandsgebots"
zwischen Niedriglohn auf jetzigem Alg-Level und der Almosenzuwendung
ohne Absolvierung eines Dienstes müsse letztere per
Kürzung
noch elender ausfallen, als sie ohnehin schon beschaffen ist. Damit die
Leute auch einen Anreiz vorfinden, zum Almosen ihre Dienste zu
verrichten.
All
dies ist die schon mit Hartz IV eingesetzte radikalisierte
Demonstration des Staates, dass jeder Euro für
bloßen
Lebensunterhalt verschwendetes Geld darstelle. Und
diesbezüglich
werden seine Beamten beständig neu fündig, wie sie
noch
irgendwo einen Überlebensgroschen bei den Leuten oder noch so
kärgliche Verdienstquelle gegen ihre "Bedürftigkeit"
in
Beschlag nehmen können.
Das
so titulierte "Optmierungsgesetz"
zu Hartz IV, von dessen Wirkung gleich mehrere Mrd. Einsparungen
prognostiziert werden, rechtskräftig zum Sommer 2006, hat des
weiteren perfektionierte Erpressungsmittel parat: sollte einem
Arbeitslosen der abschreckende Effekt von Hartz IV noch nicht
abschreckend genug sein: Erstmaligen Leistungsbeanspruchern sollen
"Sofortangebote zur Beschäftigung" unterbreitet werden als
Beitrag
zur Bekämpfung des "Leistungsmissbrauchs”. Hier
bestätigt sich die Behauptung aus der Vorbemerkung, dass der
Staat
nicht im geringsten objektive, unabhängig von Willen und
Wollen
der Leute waltende ökonomische Umstände gelten
lässt,
durch welche Leute erwerbslos gemacht werden. Wo diese angesichts der
bald wöchentlichen Hiobsbotschaften über
(Massen-)Entlassungen und Firmenschließungen mit
Händen zu
greifen sind, nämlich im Geschäftsinteresse/-lage der
Firmen,
zielt die sofortige Überprüfung auf
Arbeitsbereitschaft
darauf, den Opfern direkt und unmittelbar
anzuhängen, dass
nach Ihnen kein profitlicher Bedarf besteht und deswegen nur auf
"Leistungsmissbrauch" erpicht sein können.
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