Im
Juni 2007 wurden die Eckpunkte der sog. Kleinen Pflegereform von der
Regierungskoalition beschlossen.
Ohne ins Detail zu gehen, lassen sich folgende Grundlinien kritisch
festhalten:
Es
soll u.a. die ambulante Pflege durch mehr finanzielle
Zuschüsse/Pflegesätze gegenüber der
stationären
Pflege „gestärkt“ werden.
Was hier wie eine Erleichterung
der
„aufopferungsvollen“
Pflegetätigkeit in der Familie daherkommt, wird wie in allen
Gesundheitsfragen von dem höheren, bornierten Kostenstandpunkt
diktiert: der ambulanten Pflege soll im Vergleich zu den
stationären Einrichtungen mehr staatliche Aufmerksamkeit
zuteil
werden, damit die Ausgaben für die Pflege insgesamt sinken,
also
darüber, dass mehr und länger Zuhause gepflegt wird,
statt
der Einweisung Pflegebedürftiger ins Heim. Die bleibende
Aufopferung für die Geschundenen der Markwirtschaft wird
dadurch
versüßt, dass es ein paar Euro mehr dafür
gibt, und die
Pflegeversicherung bzw. der Sozialhilfeträger wird durch
weniger
Inanspruchnahme von
sündteuren Pflegeplätzen in Heimen nicht zu knapp
entlastet (es sei darauf hingewiesen, dass die Pflegesätze der
Kassen nur einen Teil der stationären Kosten abdecken, i.d.R.
also
für einen großen Rest die Sozialhilfe einspringen
muss, wenn
kein Vermögen vorhanden ist oder keine Angehörigen
berappt
werden können).
Finanziert werden
die neuen „Wohltaten“ wie gehabt
durch
mehr Belastung der Beitragszahler per Beitragserhöhung bei
gleichzeitiger Senkung der Arbeitslosenbeiträge, damit die
Lohnnebenkosten nicht aus dem Ruder laufen. Man sieht also mal wieder:
Soziales muss sich in erster Linie rechtfertigen daran, dass es der
Förderung des nationalen Geschäftslebens nicht in die
Quere
kommt. Und das geht hier so, dass die großartigen neuen
Leistungen im Pflegebereich darüber erkauft werden, dass in
der
anderen Sozialabteilung, der Verwaltung des Elends der Arbeitslosen
entsprechend gespart wird, indem deren Überleben noch einiges
schwerer gemacht wird, sie massig in Niedriglohnjobs gedrängt
werden oder Etliches mehr an früheren Maßnahmen
funktionaler
Pflege der Leut als Reservekräfte je nach
Geschäftsbedarf der
Wirtschaft gestrichen wird.
Kritik gab es v.a. von den
Wohlfahrtsververbänden: es werde
viel
zu wenig Geld in Ambulantes zugeschossen. Der Kostendruck
werde
kaum weniger, der verantwortlich sei für „eng
gefasste“ Stellen- und Einsatz-/Zeitpläne
und damit
für eine wenig „würdevolle“
Behandlung der zu
Pflegenden
Diese Verbände gefallen
sich schon immer darin, dem Staat
einiges
in Sachen Verwaltung des Pflege- und sonstigen Elends abzunehmen; der
Grund des ganzen Elends hat diese noch nie interessiert. Sie klagen
stattdessen ein mehr Berücksichtigung ihres Leitbildes von
mehr
„Würde“ bei der Pflege. Das hat den
Pflegebedürftigen gerade noch gefehlt: in Würde zu
Tode
gepflegt werden!