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Kritische Sozialstaatsanalyse

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Gesundheitsreform
- Aktuelles  8                                         Stand: Juni/Juli 2008



Ideologien zur Gesundheitsreform
     
                                  
Die Nachfragemacht der Krankenkassen - ein ökonomisches Märchen


Im Zuge des forcierten Kostenmanagement unter den neueren Gesundheitsreformen ging die Vorstellung von der Nachfragemacht der Kassen als Kostensenkungsmitttel um: das, was sie über Festpreise den Anbietern allenfalls erstatten, sollte denen als Preisdiktat via ökonomischem Erpressunbgshebel, über ein quasi Nachfragemonopol der Kassen, einleuchten. An anderer Stelle wurde diese ökonomische Fabel schon mal aufs Korn genommen:

"... was die Erlaubnis zu Preisverhandlungen betrifft, kommt es sehr drauf an, was die Kassen an Verhandlungsmacht gegenüber der Pharmaindustrie in die Waagschale werfen können. Deren relatives ökonomisches Monopol steht nämlich eher dagegen: gerade das massenhafte Angewiesensein auf Medikamente/Therapien/med. Geräten erklärt gerade deren bequeme Position des wirtschaftlichen Diktierens gegenüber den Nachfragern nach Gesundheitsleistungen-weshalb ein Staat sich einschaltet und deren Preispolitik politisch reguliert mittels Festpreise, Höchstpreise etc. Aber eine Kasse hat da für sich erstmal gar nichts zu melden als jetzt gefragter Verhandlungspartner der Pharmakonzerne - es sei denn, sie hat die geballte Administrationsgewalt des Staates im Rücken!"    (s. Gesundheitsreform - Aktuelles 2)

(Ergänzung: die preispolitische Regulierung auf dem Medikamentenmarkt hat neben der Begrenzung der Gewinnmargen die Besonderheit an sich, angesichts der langen und aufwendigen Entwicklung im  Pharmabereich hier ebenso eine gewisse Kalkulationssicherheit zu bieten. Dies als Selbstkritik an den o.g. früheren, etwas kurz gegriffenen Ausführungen!)

Die Kassen haben zugleich lanciert, ihr großartiges Druckmittel als Nachfragermonopol an die Kunden weiterzureichen in Form von Senkungen oder Begrenzungen der Zuzahlungen bei Arzneien. Nun werden wir eines Besseren belehrt: Die Kassen senken auf breiter Front die Festpreise. Die Pharmaindustrie zieht aber nicht einfach nach, sondern beharrt auf ihren Preisen als Rentabilitätsfaktor. Dies ist nicht nur Beleg, dass es mit der behaupteten Nachragemacht der Kassen nicht weit her sein kann. Sie wälzen die Rechnung der Pharmaanbieter mit für sie lohnenden Preisen nicht nur in Form von neuen Zuzahlungen auf weitere und bisher befreite Medikamente, sondern mit zusätzlichen Aufpreisen kräftig auf die Patienten ab.
(Quelle: Südd. Zeitung v. 12.6.08, S. 6)



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