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Gesundheitsreform
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Aktuelles 5
Stand: März 2007
Einige Anmerkungen zur
Diskussion über den Pflege-"Notstand"
+ Kurznotizen über die Pflegereformen 2007 ff.
Es
soll im Rahmen dieses
Projekts nicht den Besonderheiten der Abwicklung der Pflege
insbesondere im stationären Bereich in allen ihren
(gesetzlichen)
Einzelheiten und sonstigen Facetten nachgegangen werden.
Es
geht um das
Aufgreifen einer Kritik v.a. von sog. Pflegeexperten, das
Kenntlichmachen einer grundsätzlich verkehrten Sichtweise auf
den Zustand in Pflegeeinrichtungen.
Schon seit Jahren wird bis zum Erbrechen wiedergekäuert, wie
"menschenunwürdig" mit Pflegebedürftigen in Heimen
umgesprungen wird: da ist von Minuten-Pflege die Rede, wo innerhalb
kürzester Zeiten wegen des Kostendrucks, knapp gehaltener
Personalschlüssel etc. die Alten und Kranken regelrecht
abgefertigt werden. Aus den denselben Gründen werden sie
ruhig gestellt oder fixiert (an Stuhl oder Bett festgebunden),
wenn sie allzu lästig werden vom Standpunkt der
kostengünstigen, d.h. schnellen Abwicklung der
Pflegefälle. Wegen der geldlichen Sachzwänge sind die
präsentierten Mahlzeiten alles andere als bekömmlich
usw. Es
gibt dicke Bücher über den "unhaltbaren
Zustand" bei
der Pflege, deren Prinzip hier nicht nachgeeifert wird, sondern auf den
falschen Punkt gebracht werden soll:
Denn welcher Schluss würde sich wohl am ehesten
aufdrängen aus der schäbigen Behandlung Gebrechlicher?
Hier gibt nämlich der Oberaufseher mit seinen Pflegegesetzen
und
den von ihnen ausgehenden wirtschaftlichen Zwängen, die auf
die
Pflegeeinrichtungen ausgeübt werden, zu Protokoll, was er von
Alten und Kranken von seiner höheren nationalwirtschaftlichen
Warte aus hält: sie sind für ihn zu nichts mehr zu
gebrauchen, sie haben ausgedient, sind nur noch lästige
Unkosten,
die deshalb niedrig zu halten sind. Sie sind vom nationalen Standpunkt
des Staates schlicht nichts mehr wert. Und nur von diesem brutalen
Standpunkt aus erklärt sich die entsprechende gemeine
Behandlung
von Pflegebedürftigen oder Alten. Die Redeweise von den Alten-
und
Pflegeheimen als "Wartesäle zum Tod" kennzeichnet dies
durchaus
in drastischer Weise.
Bloß: statt dies staatliche Kriterium der Sortierung des
Volkes
nach nützlichen und unnützen Bürgern, also
auch die dazu
gehörige marktwirtschaftliche Wirtschafts- und Rechnungsweise
anzugreifen, wird an den Veranstalter und Verursacher des ganzen
Pflegeelends im Namen höherer Anstandregeln appelliert, er
solle
in deren Sinne Abhilfe schaffen, um den Alten und Kranken ihre
"Würde" zurückzugeben. Bloße
Grundbedürfnisse wie
anständiger pflegerischer Umgang würden eingeklagt.
Diese Pflegeexperten und -kritiker haben das Entscheidende verpasst:
dass Pflegebedürftigkeit einen trostlosen Endpunkt der
zerstörerischen Wirkkräfte marktwirtschaftlicher
Vernutzung
von Physis und Geist in Fabriken und Büros markiert und nicht
vom
Himmel fällt oder von Natur kommt. Dies interessiert so
mitnichten.
Da wird in den nächsten Jahren die Verdoppelung von 2 auf 4
Mio.
Pflegefälle prognostiziert. Ein Pflegeexperte ist zufrieden,
wenn
mehr Menschenfreundlichkeit bei deren Managen walten würde und
die
Politik dem mit neuen/modifizierten Pflegegesetzen Rechnung tragen
würde. Ein Fussek wünscht sich für den Pflegebereich
eine von der Leyen wie bei der Famliennachwuchsförderung - und
merkt nicht, dass Nachwuchsförderung auf einen Ertrag
für
Deutschlands und seiner Wirtschaft "Zukunft" erpicht ist, also genau
der nationalökonomischen oder sogar pur nationalen Sortierung
entspringt, wegen derer der Staat die Alten und Gebrechlichen links
liegen lässt Und bescheiden sind sie dazu die Pflegekritiker:
mehr
als "Grundbedürfnisse" wollen sie gar nicht; ein Leben lang zu
nichts gekommen, am Ende den Dienst an Wirtschaft und Nation mit der
gesundheitlichen Ruinierung bezahlt, aber wenigsten ordentlich
gewaschen
und gefüttert zu werden, diese bescheidene Pflegeleistung
stünde den Pflegefällen doch wohl zu.
K u r z n o t i z en über die Pflegereformen 2007 ff.
Juni 2007: „Kleine Pflegereform“
Im Juni 2007 wurden die Eckpunkte der sog. Kleinen Pflegereform von der Regierungskoalition beschlossen.
Ohne ins Detail zu gehen, lassen sich folgende Grundlinien kritisch festhalten:
Es soll u.a. die ambulante Pflege durch mehr finanzielle
Zuschüsse/Pflegesätze gegenüber der
stationären
Pflege „gestärkt“ werden.
Was hier wie eine Erleichterung der
„aufopferungsvollen“
Pflegetätigkeit in der Familie daherkommt, wird wie in allen
Gesundheitsfragen von dem höheren, bornierten Kostenstandpunkt
diktiert: der ambulanten Pflege soll im Vergleich zu den
stationären Einrichtungen mehr staatliche Aufmerksamkeit
zuteil
werden, damit die Ausgaben für die Pflege insgesamt sinken,
also
darüber, dass mehr und länger Zuhause gepflegt wird,
statt
der Einweisung Pflegebedürftiger ins Heim. Die bleibende
Aufopferung für die Geschundenen der Markwirtschaft wird
dadurch
versüßt, dass es ein paar Euro mehr dafür
gibt, und die
Pflegeversicherung bzw. der Sozialhilfeträger wird durch weniger
Inanspruchnahme von
sündteuren Pflegeplätzen in Heimen nicht zu knapp
entlastet (es sei darauf hingewiesen, dass die Pflegesätze der
Kassen nur einen Teil der stationären Kosten abdecken, i.d.R. also
für einen großen Rest die Sozialhilfe einspringen muss, wenn
kein Vermögen vorhanden ist oder keine Angehörigen berappt
werden können).
Finanziert werden die neuen „Wohltaten“ wie gehabt
durch
mehr Belastung der Beitragszahler per Beitragserhöhung bei
gleichzeitiger Senkung der Arbeitslosenbeiträge, damit die
Lohnnebenkosten nicht aus dem Ruder laufen. Man sieht also mal wieder:
Soziales muss sich in erster Linie rechtfertigen daran, dass es der
Förderung des nationalen Geschäftslebens nicht in die
Quere
kommt. Und das geht hier so, dass die großartigen neuen
Leistungen im Pflegebereich darüber erkauft werden, dass in
der
anderen Sozialabteilung, der Verwaltung des Elends der Arbeitslosen
entsprechend gespart wird, indem deren Überleben noch einiges
schwerer gemacht wird, sie massig in Niedriglohnjobs gedrängt
werden oder Etliches mehr an früheren Maßnahmen
funktionaler
Pflege der Leut als Reservekräfte je nach
Geschäftsbedarf der
Wirtschaft gestrichen wird.
Kritik gab es v.a. von den Wohlfahrtsververbänden: es werde
viel
zu wenig Geld in Ambulantes zugeschossen. Der Kostendruck
werde
kaum weniger, der verantwortlich sei für „eng
gefasste“ Stellen- und Einsatz-/Zeitpläne
und damit
für eine wenig „würdevolle“
Behandlung der zu
Pflegenden
Diese Verbände gefallen sich schon immer darin, dem Staat
einiges
in Sachen Verwaltung des Pflege- und sonstigen Elends abzunehmen; der
Grund des ganzen Elends hat diese noch nie interessiert. Sie klagen
stattdessen ein mehr Berücksichtigung ihres Leitbildes von
mehr
„Würde“ bei der Pflege. Das hat den
Pflegebedürftigen gerade noch gefehlt: in Würde zu
Tode
gepflegt werden!
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Kritische Sozialstaatsanalyse
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