"Man
habe nichts dagegen, wenn die Diakonie Versorgungsbedarf findet und ihn
abdeckt, aber nicht in Konkurrenz zum bestehenden Angebot"
(Weser-Kurier v. 21.3.11, S. 11)
- so verkennt
dies die Tragweite dessen, wie die Funktion der MVZ genauso auf den Weg
gebracht wurde, wie alles, was unter Gesundheitsreform firmiert: als
Mittel der Senkung der nationalen Gesundheitskosten.
Denn "Erschließung von Wirtschaftlichkeitspotentialen" geht
offenbar so, dass Krankenhaeuser den ambulanten Bereich "abschoepfen",
niedergelassene Aerzte "aus-
stechen und überbieten", "Investitionskosten von MVZ getragen" werden (a.a.O.).
So ist nicht verwunderlich, dass auf diese Weise das Praxissterben kraeftig gefoerdert wird.
Es fuehrt bei o.g. Kritik das Ideal einer med. Versorgung die Feder, wo
es um nichts anderes als den gewollten politischen Zweck geht,
über das Anheizen der Konkurrenz-
geierei und Kostensenkung eine Art Flurbereinigung im Medizinwesen hinzulegen.
Natuerlich mag es sein, dass sich zwei staatliche Gesichtspunkte, der der Kosteneffi-
zienz
einerseits und der der notwendigen Gesundheitsaufwendungen andererseits
in die Quere kommen - aber den unbedingten Standpunkt der Versorgung
hat die Politik noch nie vertreten;Ausmaß und Qualitaet der
"Medizinversorgung" war immer schon eine recht
zynische Kalkulation, indem der Staat diese ins Verhaeltnis gesetzt hat
zu einem funktionierenden werktaetigen Volkskoerper
für die
Erwirtschaftung nationalen Wirtschaftswachstums; und was er
dafuer fuer noetig erachtete, unterlag entsprechenden Konjunkturen.
In dem Sinne entdeckt das politische Gemeinwesen auch immer mal wieder Handlungs-
bedarf. So haben erst kuerzlich (Stand April 2011) Politik und Kassenaerzliche Vereini-
gung neue Zulassungsbedingungen für Aerzte erlassen, um den Arztbestand in laendli-
chen Regionen vor allem zu heben (wo ja die Kritik lautet, dass die MVZ
auf den Land nicht funktioniere in dem Sinne, dass sie "unrentable
Krankenhaeuser und verwaiste Praxen" ersetze (vgl. Eckpunkte zum Versorgungsgesetz (8. April 2011)),
Aber sich einseitig auf den Standpunkt der "Versorgung" zu stellen,
nimmt hin, dass das ganze nationale Gesundheitswesen nichts als Geldnot
bei den Leuten produziert, die Abhängigen so oder so die Zeche zu
zahlen haben.
Quelle: Weser-Kurier v. 21.3.11