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Gesundheitsreform
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Aktuelles 14
Stand: Herbst
2009/Winter-Frühjahr 2010 ff.
Zum
Konzept einer Gesundheitsprämie/Kopfpauschale von
CDU(CSU/FDP
Die
"Entkoppelung" von Lohnarbeit und Gesundheitsreparatur-
notwendigkeiten eben aufgrund der Verschleißerscheinungen
im Gefolge des Lohnarbeitens kommt voran mit oder ohne Ge-
sundheitsprämie/Kopfpauschale
Brandaktuelles (Anfang
Juni 2010)
FDP-Rösler nimmt Abstand von
der Kopfpauschale; die o.g.
Entkoppelung ist aber eben nicht vom
Tisch, sondern wird
anderweitig vorangetrieben, bzw.
anstelle dessen soll der als
kleine K.-Pauschale titulierte, im
Rahmen des Gesundheits-
fonds erlaubte Zusatzbeitrag
einkommensunabhängig auf
bis zu 20
Eur mtl. vorläufig angehoben werden können -zum
Abbau der Kassendefizite, so die
offizielle Begründung (nähere
Ausführungen
dazu unten unter Chronik
zur Kopfpauschale)
Was hier von Schwarz-Gelb
geplant ist,
ist
die
konsequente Fortsetzung des Grundsatzes, die sog. Lohnnebenkosten der
Unternehmen endlich in den Griff zu kriegen. Die Lohnnebenkosten-Hetze
ist das Vorhaben, das, was Jahrzehnte lang als funktionelle Besorgung
der Volksgesundheit eingerichtet war, als unerträgliche
Kapitalstandortbelastung einzudämmen. Die
Kopfprämie stellt insofern eine Radikalisierung dar: Meint
Lohnnebenkosten, dass Aufwendungen für Gesundheit eigentlich
nicht
zu den mit Lohn entgoltener Lebenshaltung gehören
würden,
eben als ob diese eine Zusatzkost wären, die nichts mit der
Arbeiterreproduktion zu tun hätte, also im Grunde auch nicht
vom
Kapital per Lohn zu zahlen wäre, so treibt dies das Konzept
der
Kopfprämie auf die Spitze: die einkommensunabhängige
Pauschale streicht gleich jeden Zusammenhang von Lohnarbeit
und
daraus
resultierenden Lebensnotwendigkeiten einschl.
Krankheitsvorsorge/-versorgung durch. Zu Ende geführt
hieße
dies die entsprechende Kürzung des Lohns, Entlastung des
Kapitals
von zu externen Zusatzkosten erklärten notwendigen
Kosten der Existenzerhaltung - und die Leut können zusehen,
wie
sie von solcherart "bereinigtem" Einkommen ihre Krankheitskosten etc.
bestreiten.
Das soziale
Element wird dann wieder darüber hereingebracht, dass
für
Einkommensschwache ein "Ausgleich" geplant ist, nachdem erst mal
verordnet wird, dass ein für den Einzelnen eigentlich
unbezahlbares "Gut" zu seiner Privatsache erklärt wird. - An
dieser Gemeinheit geht übrigens vorbei, wenn Linke
die
Ungerechtigkeit dessen beklagen, dass unisono Einkommensstarke und
-Schwache die gleiche Kopfprämie erbringen müssten.
Natürlich erfordern solche Übergänge ein
staatliches
Austarieren dessen, was dem gemeinen Volk sukzessive zugemutet werden
soll: noch hält der Staat es für notwendig,
nämlich als
Mittel zum gedeíhlichen Fortgang seiner
national-ökonomischen Profitmaschinerie, dem Gesundheitssystem
mit
seinen Kostenlasten auch mit Steuergeldern unter die Arme zu greifen.
Aber im Grundsatz stellt das Einschießen von Steuermitteln in
das
Gesundheitswesen eigentlich ein "Webfehler" der scheiß
Gesundheitsreformen dar: so hieß es im Zuge der
Koalitionsverhandlungen auch schon mal, die Krankheitskosten sollen
allein die Versicherten schultern; auch Steuergelder seien tabu. - Hier
erinnern sich weise Politiker daran, dass all das schöne
Staatsgeld, das nicht unmittelbar der nationalen Reichtums- und
Machtentfaltung dient, nichts als Verschwendung für
"Sozialklimbim" ist.
Kanzlerin Merkel auf
Unternehmer-/Arbeitgebertag (24.11.09 - Meldung NDR-Info):
Den
neuen Reformansatz mit Rückführung des
Arbeitgeberbeitrags
und einkommensunabhängiger Beitragserhebung tituliert Merkel
als
"Entkoppelung" der Beiträge vom Einkommen. Ausgleich durch
Steuermittel müsse erwogen werden.
Letzteres ist kein Gegensatz, sondern Bestätigung des
Prinzips,
dass "Vorsorge" für die Wechselfälle des
Lohnarbeiterdaseins
nicht mehr als Bestandteil der Reproduktionskosten, der
Reproduktionsnotwendigkeiten zählt, sondern eben davon
abgekoppelt
wird, wie die Kanzlerin treffend parteilich hinausposaunt.
Dass Steuern für "Ausgleich" fließen sollen, die im
übrigen ebenso abgezwackte Einkommensteile derjenigen sind,
denen
einerseits mehr Finanzierungslasten in Gestalt von höheren
Beiträgen oder der Kopfprämie aufgehalst werden und
die sich
andererseits über den allgemeinen Steuertopf selbst
subventionieren, stellt die bleibende Armut in Rechnung, dass
Lohnarbeiter praktisch nicht in der Lage wären, die im Zuge
der
entsprechend der Abkopplung abgesenkten Bruttolöhne aus dem
Netto
die zuvor auf Arbeitnehmer und Arbeitgeber formell aufgeteilten
Beiträge zu schultern.
Bezeichnend ist die Kritik eines SPD-Lauterbachs, der
Einschießen
von Steuermitteln als "ökonomisch unsinnig" beklagt, insofern
hier
eine nicht vertretbare Subvention auf die
Krankenkassenbeiträge
eingeführt bzw. genauer ausgebaut würde: denn als
"dritte
Säule" des Versicherungswesens hat die SPD in der
großen
Koalition im Kontext des aus der Taufe gehobenen Gesundheitsfonds die
Steuervariante gerade mitbeschlossen. Wie dem auch sei: die Kritik von
Lauterbach will sich als konsequenterer Vertreter dessen herausstellen,
dass angesichts der anstehenden umfassenden Senkung der
Gesundheitskosten die Steuergießkanne dazu quer
schieße.
Also wieder nur der übliche parteiliche gesundheitspolitische
Macher-Standpunkt!
(Lauterbach zit. nach SZ v. 26.11.09)
Chronik
zur Gesundheitsprämie/Kopfpauschale
1.
Anfangs hieß es, die Prämie solle gestaffelt bis ca.
150 EUR mtl. im (vorläufigen) Endstadium betragen - wobei ein
sog. Sozialausgleich aus Steuermitteln
für Einkom-
mensschwache erfolgen solle, weil erst einmal alle den gleichen Betraq
zu zahlen hätten, ob Professor oder Hilfsarbeiter. Eine
Lüge ist, dass dies erstens nichts an der Gemeinheit
ändert, die bei der Kopfpauschale oben als "Entkoppelung"
kritisiert wurde.
Zweitens ist dies der heuchlerische Unsinn, erst die Leut mit der
Prämie noch ganz anders zu verarmen als mit dem alten
Zwangsbeitragssystem und dann so zu tun, als würde ein
"Sozialausgleich" dies ungeschehen machen.
2.
Laut Meldung von SZ v. 28.5.10 ist als Einstieg in die
Gesundheitsprämie ein Betrag zwischen 15 und 30 Eur
vorgesehen. Der sog. Ausgleich solle nicht mehr über
Steuermittel erfolgen, um die nicht mehr vorhandene Mehrheit der
Schwarz-Gelben Parteien im Bundesrat zu umgehen. Statt dessen solle
dies
innerhalb des Beitragssystems z.B. durch Anhebung der
Beitragsbemessungsgrenze organisiert werden.
3
Lt. SZ v.
2.6.10 will Rösler Einheitsbeitrag abschaffen und gestaffelte
Beiträge + Kopfpauschale von 30 Eur einführen,
für jeden
- ob arm oder reich. Angeblich sollen mittlere und kleine Einkommen
zunächst nicht höher belastet werden. hohe Einkommen
dagegen
schon.
Hartz-IV-ler hätten davon gar nichts: kein "Ausgleich" der
Pauschale durch niedrigere Zwangsbeiträge, insofern diese gar
nicht von einem Brutto erhoben werden, sondern separat
abgeführt
werden, sodass Pauschale voll zu Buch schlägt, als
Mehrbelastung
aus Regelarmutssatz bei Arbeitslosengeld II zu bestreiten wäre.
Brandaktuell:
Anfang Juni 2010
FDP-Gesundheitsminister
nimmt Abstand von der Kopfpauschale
(Quelle: diverse Meldungen v. 4.6.2010)
-wohl,
weil sich Koalitionspartner CSU querlegt. Statt Kopfpauschale
müßte aktuell zum Abau der Defizite der
Zusatzbeitrag auf
bis zu 20 Eur angehoben werden: eine schöne Alternative, statt
durch Pauschale durch Zusatzbeitrag gemästet zu werden. In der
Wirkung läuft es auf das Gleiche hinaus - nämlich die
Abkoppelung der Gesundheitskosten von der Unternehmensrechnung, als
Bestandteil der nationalen Lohnsumme. Es muss aus dem Netto,
privatisiert an
Gesundheitskosten aufgebracht werden, was früher
beitragsmäßig im Bruttolohn aufging.
Zur Fortsetzung folge dem link:
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