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Gesundheitsreform
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Aktuelles 12
Stand: Febr. 2010
Zur Debatte
über Zusatzbeiträge
- ein Lehrstück
über sozialstaatliche Heuchelei und Zynismus
Die Politik hat zur Entlastung
der Arbeitgeber von sog. Lohnnebenkosten, zur Begrenzung der
üblichen Krankenkassenbeiträge den Kassen
ausdrücklich erlaubt, so sie mit den Zuweisungen aus dem
Gesundheitsfonds und irgendwelchen Rücklagen die Ausgaben
nicht decken können, einen Extra-Beitrag von den Versicherten
zu erheben.
Kaum nehmen etliche Krankenkassen diese Gelegenheit wahr,
natürlich mit der ihnen eigenen Heuchelei, dass den Leuten zur
"Sicherung des Leistungsniveaus" tiefer in die Tasche gegriffen werden
müsse, mokieren sich Politik und Öffentlichkeit, ob
das denn sein müsse.
Die erlaubte Beitragsanhebung geht selbstverständlich in
Ordnung. Jetzt geht es einem Gesundheitsminister um Vermeidung weiterer
Erhöhungen. Um die Schonung des Geldbeutels der Leut kann es
kaum gehen. Die Ausgabenseite hat es ihm angetan. Auf einem
Spitzentreffen mit maßgeblichen Instanzen des
Gesundheitsapparates werden Vorschläge eruiert. Genaues
gelangt nicht an die Öffentlichkeit. Nur dieses:
Rabattverträge sollen überprüft werden. Aber
bestimmt nicht, um dem Gewinninteresse der Pharmaindustrie wehzutun.
Die Anstachelung der Konkurrenz zur Kostensenkung bei
Arzneimittelherstellung wird dann als Dienst an den Leuten verkauft,
wiewohl es gar nichts daran ändert, dass sie mit ihren
Beiträgen und masssenhaften Kauf von Medikamenten bleibend
einen schwergewichtigen nationalen Wirtschaftszweig aushalten, also
Wiederherstellung der Gesundheit oder auch nur Begrenzung eines
Gesundheitsschadens darüber läuft, dass anderen ihr
ökonomischer Vorteil versilbert wird.
Die Ärzte sollen konsequenter sog. Generika verschreiben,
Nachahmerprodukte, die angeblich die gleiche qualitative Wirkung
aufweisen würden wie Originalprodukte, nur eben billiger
abgegeben werden. Verschwiegen wird dabei, dass es sich dabei gar nicht um
1:1-Kopien handelt, dass die Kombination von Wirk- und Zusatzstoffen
meistens eine andere bzw. veraltete ist, oft andere oder sogar
schwerere Nebenwirkungen zu erwarten sind. Aber soll der Patient dies
doch in Kauf nehmen als Beitrag zur Kostensenkung!
Dies fürs erste. Was en detail noch an
Einsparvorschlägen herauskommt, wird ggf. nachzutragen sein.
Im übrigen kann man die politische Zwecksetzung rund um den
Gesundheitsfonds und den Zusatzbeiträgen in früheren
Ausführungen nachlesen:
Nachtrag / März 2010
Im
Übrigen wirft das mit den Zusatzbeiträgen ein bezeichnendes
Licht auf die berühmt-berüchtigten sozialstaatlichen
Rücksichten auf die "Belastbarkeit" armer Leute:
Schafft die Politik erst einen Belastungstatbestand mit ihren
Zuzahlungsverordnungen, wonach für Medizinpräparate,
Anwendungen, sonstige Therapien, soweit das alles noch zum
verordnunungsfähigen Leistungsumfang zählt, eine Zuzahlung
von 1 bis 2% des Einkommens zu leisten ist, erweitert diese die
Belastbarkeit kräftig, in dem ein neuer Belastungstatbestand in
die Welt gesetzt wird, nämlich die sog. Zusatzbeiträge, der
sich auf den gleichen Sachverhalt bezieht: nämlich über die
weiter saftigen regulären Krankenkassenzwangsbeiträge hinaus
die Beteiligung an den Gesundheitskosten aus dem Nettoeinkommen.
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2010 by
Projekt
Kritische Sozialstaatsanalyse
www.sozialreformen.org
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