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Gesundheitsreform
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Aktuelles 11
Stand: Sept. 2009
"Fangprämien" im Gesundheitswesen
- vom politischen Fehler der Korruptionsfahndung im
nationalen Gesundheitswesen
Für
Aufruhr sorgte neulich die Meldung, dass Ärzte Prämien
kassieren würden für die privilegierte Zuweisung von
Patienten an bestimmte Krankenhäuser.
Dieses öffentliche Gemosere nimmt Partei für die Sauberkeit des
deutsch-nationalen Gesundheitssystem. Es ist weit entfernt von einer
Kritik der wirklichen Sauereien und Härten des
Gesundheitssystems und dessen staatlicher Reformerei für die Leute.
Auch die immer wieder aufkommenden Berichte über Abrechnungstricks
der Ärzte und Krankenhäuser, wo versucht wird, den
Krankenkassen mehr in Rechnung zu stellen als tatsächlich
geleistet wurde oder über Schummeleien bei Rezepten, wo sich
womöglich Ärzte und Apotheker die Differenz zwischen teurer verschriebener und billiger ausgegebener Arznei teilen, leben von dem reaktionären Saubermannstandpunkt, dem
Standpunkt der Verfolgung krimineller Machenschaften, und lässt
nichts auf die wirklichen Zumutungen und Brutalitäten des
Gesundheitswesens kommen. Der staatsbeflissene Aufsichtswahn ist das Gegenteil einer Kritik an den staatstragenden und kapitalismus-förderlichen Zwecke des hiesigen Gesundheitssystems.
Diese falsche moralische Kritik will nichts davon wissen,
dass das kapitalistische Gesundheitssystem, organisiert nach einem Wust von strengen staatlichen Rechtsregeln, auf der Armut der abhängigen Lohnarbeitermannschaft beruht und
sich per staatlicher Honorarverordnungen, Krankenhausfinanzierungen,
Arzneimittelpreisverordnungen mit ihren Fest- und Höchstpreisen
etc. ganz legal seit Jahrzehnten an der wirtschaftlichen Not der Arbeiter und Angestellten satt bedient. Kein
Skandal für diese Moralapostel und Kriminal-Fahnder ist also, wie
sich Ärzte, Krankenhäuser, Pharmakonzerne höchst
staatlich erlaubt mit ihren Milliarden an den zwangsweise abgezwackten
Beiträgen, Zuzahlungen, Praxisgebühren armer Arbeiter und
Angestellter bereichern - und auch noch eine stattliche Anzahl von
Krankenkasssen davon lebt, die jetzt das größte Geschrei von
wegen Bestrafung der Korrupten im Gesundheitswesen anzetteln.
Die Moralkritiker stellen sich ignorant gegen d e n Zynismus
marktwirtschaftlicher Gesundheitssysteme, wonach für Patienten
Behandlungsbedarf durch Ärzte und Krankenhäuser und
medizinischer Bedarf nach den Artikeln weltweit agierender
milliardenschwerer Pharmakapitalisten im Wesentlichen nur deshalb gibt,
weil die Abhängigen in den Betriebsstätten des freien
Unternehmertums aufgrund der Leistungserzwingung gegen Lohn
systematisch ruiniert werden:
Herz-/Kreislauferkrankungen, Gelenkverschleiß, Krebs usw. als
anerkannte Volkskrankheiten legen Zeugnis davon ab. Die
regelmäßige Vergiftung und Verstrahlung von Luft, Wasser und
Lebensmittel aufgrund der kostenbewussten, profit-orientierten
Herstellungsweise der unternehmerischen Lieblingsbürger der Nation
tun ein Übriges dazu, dass das nationale Gesundheitswesen
ständig mit Nachschub kranker Leute rechnen kann - eben in der
Hauptsache aufgrund einer staatlich lizensierten marktwirtschaftlichen
Produktions- und Rechnungsweise, und nicht weil eine Grippe- oder
Erkältungswelle die Leut mal wieder in die Praxen treibt -
und nicht wegen einer zeigerfingererhobenen "ungesunden" Lebensweise
lt. der notorisch moralischen Gesundheitsapostel, die Krankmachendes in
zynischer Manier ins Verhalten der Leute verlegen, von den
kapitalistischen Ursachen und deren staatlicher Absegnung nichts wissen
wollen. Diese wirklichen Sauereien werden eben nicht als solche
benannt, sondern erst, wenn es Abweichungen
von den staatlich erlassenen Regeln gibt, hier bzgl. der Bereicherung
an den Patienten, werden die moralbesoffenen Geister hellhörig.
Die oben skizzierten tatsächlichen Gemeinheiten nationaler
Gesundheitspolitik sind damit gegessen und können weiterhin
unbehelligt ihren weiteren Gang gehen.
Wie wäre es denn mal mit einer rationalen Sichtweise auf den
Zusammenhang zwischen "Korruption" im Gesundheitswesen und den
staatlich ins Werk gesetzten permanenten Gesundheitsreformen?! Die
Unterordnung des Medizinwesens unter das staatliche Diktum, dass die
nationale Krankenpflickerei kostengünstig vonstatten zu gehen hat,
damit sein heimisches Kapital mit unschlagbar konkurrenzfähigen
"Lohn- nebenkosten" seine Weltmarkterfolge einfahren kann - das
begünstigt mit der Deckelung des "Finanzrahmens" der
privilegierten Träger des Gesundheitsapparates, aber auch schon
kraft des allgemeinen Bereicherungsrechts derselben den Erfindungs-
geist, nach Mitteln und Wegen zu suchen, im politisch verordneten
Wettbewerb sich finanzielle Ressourcen an der Grenze und jenseits des
Erlaubten an Land zu ziehen, so dass die anderen Beteiliglten das
Nachsehen haben. Nicht nur im streng juristischem Sinne illegal soll
das laufen, sondern halb-illegal unter unverdächtigen
Abrechnungsti- teln.
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2010 by
Projekt
Kritische Sozialstaatsanalyse
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